Reise

Welcome to Iran!

„Ein Kilo Gehacktes bitte!“ Wir wollen uns bei unseren Gastgeber Mohsen revanchieren und für ihn gefüllte Paprikaschoten deutscher Art zum Abendessen zubereiten. Eine eigentlich triviale Bestellung wie diese wird für den Iran-Neuling zur mittelschweren Herausforderung. Nicht nur ist das persische Farsi eine neue Sprache für uns, auch das Alphabet und die Zahlen sind völlig anders und anfangs nicht zu entziffern. Mit Händen, Füßen und Google Translate kann ich mich dann doch mit dem Fleischer verständigen, der sich zu dem Aushang bewegt, in dem einige frisch geteilte Tierhälften hängen. Natürlich hat Mohsen bereits bei ihm angerufen und ihn gebeten, uns, den Gästen, ein besonders gutes Stück Fleisch zu verkaufen. So kommt der Fleischer wenig später mit einem großen Stück Rinderlende zurück, was er dann zusammen mit einem Stück Fett durch den Fleischwolf dreht. Kurz darauf bekomme ich dann die anderthalb fache Menge des vermutlich edelsten Gehackten das ich je gegessen habe frisch verpackt in die Hand gedrückt. 

Jakob übt sich im Fladenbrot backen

Als ich ihn bitte, mir den zu entrichtenden Betrag auf einem Taschenrechner einzutippen macht er eine abwehrende Handbewegung begleitet von einer leichten Verbeugung. “Mein bescheidener Laden wird durch Eure Anwesenheit geehrt und ich werde kein Geld von Euch nehmen” besagt die Geste, die noch einmal wiederholt wird, als ich erneut zahlen will. Hätte ich, wie es mir meine geradlinige und direkte deutsche Sozialisierung eingibt, an dieser Stelle den Laden verlassen, wäre mir kurze Zeit später ein wütender Fleischer hinterhergerannt, der vermutlich lautstark sein Geld gefordert hätte. Da ich jedoch vorbereitet bin, bestehe ich zum dritten Mal darauf, zahlen zu dürfen und dieses Mal nennt er mir ohne weitere Umschweife den Betrag und ich drücke ihm einige Scheine mit großen Zahlen in die Hand. Taroof heißt diese seltsame Spielart persischer Höflichkeit, deren Regeln darin bestehen, etwas anzubieten, was man so nicht geben will und dieses dann im Wechsel abzulehnen, obwohl man es natürlich schon gern hätte.

Rebekka lernt mit Mohsen Farsi

Mohsen ist wie eine Oase. Auf Empfehlung andere Reisender haben wir sein Gästehaus in Bodschnurd, unserer ersten größeren Station, aufgesucht und werden mit einer Gastfreundschaft empfangen, die wir so noch nicht erlebt haben. Er bereitet jeden Morgen ein persisches Frühstück (meist Omelette mit Tomaten, Kräutern, Gewürzen und Fladenbrot) zu, verwandelt seinen Innenhof Stück für Stück in einen Kinderspielplatz und besorgt mit und für uns SIM-Karten und hilft uns dabei, unsere US Dollar in Iranische Rial zu tauschen.

Der Iran ist das erste Land auf unserer Reise, in dem unsere EC und Kreditkarten völlig nutzlos sind. Alles was man im Iran an Geld benötigt, muss man als Tourist bar in Dollar mitbringen. Doch beim Tauschen muss man aufpassen denn die Unterschiede bei den Wechselkursen sind beträchtlich und schwanken von Tag zu Tag. Tauscht man bei einer offiziellen Bank, bekommt man zum Zeitpunkt unseres Besuchs pro Dollar 40.000 Rial, auf dem Markt oder in Wechselstuben jedoch je nach Tageskurs zwischen 110.000 und 125.000. Fast noch verwirrender ist jedoch, dass Iraner im täglichen Zahlungsverkehr die Preise oft, wenn auch nicht immer, in Toman und nicht in Rial angeben. Das Wort “Toman” kommt angeblich aus dem Mongolischen und bedeutet Tausend, tatsächlich lassen die Iraner aber wenn sie Toman sagen von den Rial-Preisen nur eine 0 weg. Warum sie nicht gleich drei Nullen weglassen (es gibt nichts was weniger als 1000 Rial kostet) wird historische Gründe haben und ein Geheimnis der Iraner bleiben.

Der Norden des Iran ist wunderschön

Mit frischem Geld und zahlreichen Reisetipps verlassen wir einigermaßen akklimatisiert Bodschnurd Richtung Teheran.  Nach einem Stopp im Gebirge wo wir einen Sack voll Fossilien finden schlagen wir unser Nachtlager bei einer verlassenen Karawanserei auf und spielen mit den Kindern stundenlang Verstecken. 

Es geht nichts über Verstecken spielen in alten Ruinen

Unweit Teheran halten wir beim Mausoleum von Ajatollah Chomeini, dem iranischen Revolutionsführer. Zu dessen Ehren wurde ein gigantischer Komplex erbaut dessen Zentrum eine riesige Halle bildet, welches von hunderten persischer Teppiche ausgelegt, dem einstigen Volkshelden als letzte Ruhestätte dient. Aus zahlreichen Lautsprechern ertönt ein sonores Brummen das entfernt an mongolischen Kehlkopfgesang erinnert und die Besucher gehen schweigend Runden um den Sargophag. Personenkult ist uns auf unserer Reise nun schon einige Male begegnet, aber das übertrifft alles bislang von uns gesehene.

Das Mausoleum von Ruhollah Chomeini

Am Morgen weckt uns klirrende Kälte und leichter Schneefall. Wir brechen nach einem schnellen Frühstück auf und wollen der Kälte im Norden entkommen und nach Isfahan fahren, eine der schönsten Städte im Iran. Auf dem Weg müssen wir das erste Mal im Iran tanken. Diesel und Benzin sind im Iran dermaßen billig, dass es deutschen Autofahrern Tränen in die Augen treiben dürfte. Das liegt zum einen an den beträchtlichen Ergas- und Erdölvorräten des Iran, zum anderen aber auch daran, dass der Treibstoff für Iraner von der Regierung subventioniert wird. Allerdings erfolgt die Abgabe nur über eine Tankkarte über die man je nach Fahrzeugklasse und privater oder beruflicher Nutzung ein bestimmtes Volumen pro Monat zum subventionierten Preis bekommt – alles darüber hinaus muss zu einem (noch immer billigen) regulären Preis bezogen werden. In einigen Tankstellen hat der Tankwart eine Karte und alles läuft wie in anderen Ländern auch, an den meisten anderen Tankstellen müssen wir uns jedoch bei LKW-Fahrern durchschnorren und diese bitten, uns etwas auf ihre Karten abzugeben. Dann ist es eine Frage der Kulanz, wie viel die Fahrer von uns haben wollen und somit bezahlen wir an nahezu jeder Tankstelle etwas anderes. Die wenigen Male, die wir den offiziellen (subventionierten) Preis bezahlen dürfen (meist von hilfsbereiten Iranern für uns ausgehandelt), zahlen wir umgerechnet 2,5 Cent pro Liter, aber auch sonst sind es selten mehr als 10 Cent.      

In Isfahan empfangen uns brennende Reifenstapel. Den ersten halten wir noch für eine Anomalie aber spätestens als wir am dritten vorbeifahren, die ersten Straßenblockaden umfahren müssen und die Menschen eine sich langsam aufheizende Menge bilden, wissen wir, dass etwas nicht in Ordnung ist. Einige kommen zu uns und machen uns wild gestikulierend verständlich, dass wir möglichst schnell von den Straßen verschwinden sollten. An der dritten Barrikade wird uns klar, dass wir unser Hostel heute nicht mehr erreichen werden, Ein Mopedfahrer kommt zu uns und erklärt uns mit gebrochenem Englisch, dass er nicht weit in einer ruhigen Gegend wohnt und wir besser mit zu ihm kommen sollen. Da es langsam dunkel wird und die Straßen immer voller werden, nehmen wir die Einladung an. 

Khamenei erklärt die Benzinpreiserhöhung

Bei seiner Familie werden wir herzlich aufgenommen und reichlich bewirtet. Wir schauen Nachrichten und verstehen so langsam den Grund für den beginnenden Aufruhr. Über Nacht hatte die Regierung ohne Vorankündigung den Benzinpreis um 300% angehoben und das subventionierte Volumen gekürzt, offiziell um den Benzinschmuggel vor allem nach Pakistan zu unterbinden. Auch nach der Erhöhung blieb der offizielle Preis noch unter 10 Cent pro Liter und somit deutlich unter dem Benzinpreis aller Nachbarländer. Aber eine Benzinpreiserhöhung erhöht auch die Liefer- und Transportkosten und somit letztlich auch die Lebensunterhaltskosten da potentiell alles teurer wird. In einem Land, das ohnehin schon durch die amerikanischen Sanktionen gebeutelt wird, ist dies Grund genug, auf die Barrikaden zu gehen. Dass die Regierung Unruhen erwartet hat, merken wir daran, dass am Nachmittag das Internet abgeschaltet wird – im gesamten Land. Zehn Tage wird dieser Blackout dauern, der, so zumindest die einhellige Meinung der Iraner, mit denen wir darüber sprechen, darauf abgezielt ist, die Vernetzung und Koordinierung der Protestbewegung zu erschweren.

Abends will ich eine rauchen. Meysam, unser Gastgeber, begleitet mich und fordert mich auf, mit auf seinem Moped Platz zu nehmen. Er will um die Ecke fahren damit seine Mutter nichts davon mitbekommt. Nachdem er um die zweite Ecke gefahren ist, merke ich, dass er nicht nur irgendwo in Ruhe eine rauchen will. Mit einer Mischung aus Schrecken und Faszination fahre ich mit ihm mitten in das Epizentrum der Tumulte. Dort angekommen, rauchen wir und er stellt mich seinen Freunden vor, die um einen großen brennenden Reifenstapel stehen als würden sie jeden Moment anfangen, Marshmallows zu rösten. Unter anderen Umständen könnte man die Stimmung als Festivalatmosphäre beschreiben – wären da nicht große Feuer in der Ferne und eine Gruppe von Jugendlichen, die mittels langer Ketten Straßenlaternen stürzen will. Alle sind zwar freundlich, aber ich bin heilfroh, als wir nach einer viertel Stunde den Rückweg antreten. 

In Isfahan wird es brenzlig

Am nächsten Tag sehen wir das Ausmaß der Zerstörungen. Auf dem Weg in den ruhigeren Süden der Stadt kommen wir an mehreren ausgebrannten Bussen und abgebrannten Gebäuden vorbei. Insgesamt werden binnen einer Woche landesweit tausende Menschen verhaftet, es gibt zahlreiche Verletzte und wohl über 100 Todesopfer, teils, weil die Polizei und/oder Sicherheitskräfte scharfe Munition gegen die Demonstranten einsetzen. In einem solchen Klima wollen wir nicht länger als nötig in einer großen Stadt bleiben und verlassen Isfahan ohne groß etwas gesehen zu haben.

An der nächsten Tankstelle hilft uns ein Iraner, billigen Diesel zu bekommen und lädt uns anschließend zu sich nach Hause ein. Wir nehmen an obwohl er kein Englisch spricht und wir eigentlich weiterfahren wollen. Er und seine Frau sind nett aber ohne gemeinsame Sprachkenntnisse und Internet wird die Kommunikation unerträglich oberflächlich. Nach zwei Stunden und zahlreichen Ablehnungen des Übernachtungsangebots brechen wir wieder auf und nehmen uns vor, keine Einladungen mehr anzunehmen, wenn die Gastgeber nicht wenigstens ein paar Worte Englisch sprechen da sonst keiner wirklich etwas davon hat. 

Nasrin und ihr Mann Farid in ihrem Haus in Abadeh

Am späten Nachmittag erreichen wir Abadeh, ein kleines verschlafenes Städtchen zwischen Isfahan und Shiraz. Dort halten wir an einem alten Gasthaus und werden mit offenen Armen empfangen. Das Haus ist 300 Jahre alt und mit viel Liebe zum Detail und sehr geschmackvoll restauriert. Aufgrund der Unruhen haben Farid und Nasrin ihre beiden Töchter, die in Shiraz und Isfahan studieren, nach Hause geholt. Die Kinder freuen sich über den sprechenden Mina-Vogel, der jeden mit „Salam, khobi“ begrüßt. Alle bis auf den Hausherren Farid sprechen gutes Englisch und wir verbringen einen angenehmen Abend im Kaminzimmer, mit unseren Füßen unter Decken, die durch eine Kohlepfanne erwärmt werden.

Salam, khobi!

Nasrin ist eine begnadete Köchin und sie teilt bereitwillig ihre Lieblingsrezepte mit mir, die ich mir eifrig notiere. Am nächsten Morgen fahren sie mit uns auf den Markt, zeigen uns eine traditionelle Zorkaneh-Arena („Krafthaus“), wo die Iraner mithilfe überdimensionaler Bowlingfiguren zu Trommelklängen martialische Choreographien vollführen. Ich bekomme eine Einführung in den Tanz (und mache eine klägliche Figur dabei) und Jakob bekommt eine Trommelstunde. Am liebsten wären wir noch länger geblieben, aber da sich Jakobs und Emils Geburtstag dramatisch schnell nähert und wir aufgrund der Unruhen in Isfahan keine Geschenke besorgen konnten, brechen wir schweren Herzens nach nur eine Nacht wieder Richtung Shiraz auf.

Wir bekommen eine Zorkaneh – Vorführung
und Jakob eine Trommelstunde

Für viele Iraner beginnt die Geschichte mit dem Persischen Reich und wenn es nach Ihnen ginge, würde sie auch wieder damit enden. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Persepolis eines der nationalen Sehenswürdigkeiten ist, die uns von jedem empfohlen werden.

Auf der Hochebene von Marvdascht unweit der Großstadt Shiraz gelegen, wurde diese Residenzstadt auf einem 15h großen aufgeschütteten Plateau im 6.Jahrhundert v. Chr. von Dareius I. gebaut. In knapp 200 Jahren wurden ca. 14 Paläste errichtet bevor sie 330 v. Chr. Von der Armee Alexanders des Großen vernichtet wurde. Das erhalten Gebliebene lässt die einstige Pracht nur noch erahnen und ist doch noch eindrucksvoll genug, dass wir zusammen mit unseren sonst doch eher kulturmüden Kindern staunend durch die Ruinen und die Überreste einer der größten Hochkulturen der Antike schlendern.      

In Shiraz können wir in allerletzter Sekunde noch Geburtstagsgeschenke für Jakob und Emil besorgen

In Shiraz sind zwar auch die Spuren der Proteste zu sehen, aber die Lage hat sich zum Glück wieder entspannt. So bleibt uns noch ein Tag, um Geburtstagsgeschenke und eine Torte zu besorgen und dann den Geburtstag unser beiden Söhne zu feiern. Es wird wider Erwarten ein schöner Tag der zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten abläuft. Dennoch bleiben wir nicht länger als nötig – es ist nach wie vor kalt und auch wenn die Stadt an sich schön ist, wollen wir so langsam in den Süden ans Meer.

Wir brechen am Morgen in Shiraz auf und verlassen kurze Zeit später die Hochebene, auf der weite Teile Zentralirans liegen. Auf dem Weg sehen wir unglaublich schöne Felsformationen, die sich wie die gezackten Rücken von urzeitlichen Reptilien vor und neben uns ausbreiten. Am Nachmittag ist es endlich soweit – wir erreichen den Persischen Golf und fahren an der ersten Möglichkeit an den Strand. Nach wochenlanger herbstlicher Kälte, langen Hosen und Jacken können wir endlich wieder die Flip-Flops rausholen und uns ins erstaunlich warme Nass stürzen. Mit wir sind leider nur ich und die Kinder gemeint – aufgrund der Verhüllungspflicht mit der Rebekka im gesamten Iran nur mit Kopftuch ins Freie geben kann, muss sie leider draußen bleiben.

Endlich wieder Meer“

Abends verlassen die einheimischen Iraner den Strand, nicht ohne zuvor mit uns noch eine Runde Taroof zu tanzen. Mehrfach werden wir zum Essen und Tee eingeladen und lehnen höflich ab – die Einladung wird wiederholt, wir lehnen erneut ab und es werden noch ein paar Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht – wir kennen das Spiel mittlerweile.

Zwei Tage später nehmen wir eine Fähre und fahren auf die wunderschöne Insel Queshm. Hier ist es so schön, dass wir fast eine Woche bleiben. Wir sehen Mangrovenwälder, Canyons, Delfine so nah, dass wir sie fast berühren können und fangen uns Krabben zum Abendessen. Dort treffen wir neben Nasrin und Farid, unseren Gastgebern aus Abadeh, die zusammen mit ihrer Familie der Kälte im Norden für ein verlängertes Wochenende entflohen sind, auch einige Overlander, mit denen wir endlich wieder längere und intensivere Gespräche führen können. Am dritten Tag lernen wir Jahlil kennen, einen Iraner aus Bander Abbas, der nach eigenem Bekunden hervorragende Beziehungen zum Hafenmanagement pflegt und uns anbietet, uns beim Ausschiffungsprozedere nach Dubai behilflich zu sein. Da er sehr gutes Englisch spricht und wir schon einige Horrorstories über die Hafenbürokratie gehört haben, nehmen wir dankbar an.

In der Hafenstadt Bandar Abbas genießen wir die Gastfreundschaft von Jahlil, seiner Familie und seinen Freunden (zu den wir auch noch eingeladen werden). Am ersten Tag wollen wir am späten Nachmittag vor dem Abendessen in ein Thermalbad fahren. Tatsächlich kommen wir im Bad um 21 Uhr an und nehmen das Abendessen gegen Mitternacht ein (obwohl die Kinder unserer Gastgeber am nächsten Morgen um sieben in die Schule müssen). Baden gehen im Iran bedeutet, dass es ein Männerbad und ein davon getrenntes Frauenbad gibt. Auch im Alltag ist die Rollenverteilung ziemlich strikt. Auch in einer moderaten Familie, wie der von Jahlil, stehen die Frauen in der Küche während die Männer sich mit den (männlichen) Gästen unterhalten. Damit hat nicht nur Rebekka nach und nach Ihre Probleme, auch ich kann mich nicht daran gewöhnen, dass man mir antwortet, wenn Rebekka eine Frage stellt. Auch Hände geben und Gespräche zwischen männlichen Gästen und weiblichen Gastgeberinnen sind meist tabu. Dies, der Internet-Blackout und ein wenig auch der Alkoholbann sind mit die Hauptgründe dafür, dass wir uns so langsam auf die Vereinigten Arabischen Emirate freuen wie auf das Land in dem Milch und Honig fließen.

Entsprechend motiviert stehe ich am letzten Tag im Iran auf – wir haben viel vor. Wir wollen das Auto nochmal mit billigem iranischen Diesel füllen, ein Zelt kaufen und die ganzen Hafenformalitäten erledigen bevor wir am Abend die Fähre in die Emirate nehmen. Nach einem viel zu späten Frühstück muss Jahlil, der eine Bau- und Fahrstuhlfirma hat, nochmal auf seine Baustelle fahren. Dort fehlt etwas und wir fahren erst mal shoppen. Gegen Mittag erreichen wir den Hafen und tatsächlich wirken Jahlils Beziehungen Wunder. Ich reiche alle Unterlagen aus dem Fenster an mehrere Iraner und nach einer halben Stunde sind zumindest die Zollformalitäten erledigt. Leider haben wir noch nicht getankt und das Auto darf den Hafen eigentlich nicht mehr verlassen. Aber irgendwann hat Jahlil dem Chef des Pförtners mal einen Fahrstuhl ins Haus gebaut und so bekommen wir eine Sondergenehmigung. Wir rasen zur Tankstelle und stehen vor einer schier endlosen Schlange von LKW. Jahlil springt aus dem Auto, spricht, scherzt und lacht uns einen Weg frei und wenige Minuten später stehen wir an der Zapfsäule. Lieder hat der Tankwart keine Karte und es ist der letzte Tag im Monat und die LKW-Fahrer brauchen die Reste ihres subventionierten Diesels selbst. Aber auch das hält Jahlil nicht auf; ein Telefonat später stellt sich heraus, dass auch der Besitzer der Tankstelle ein ehemaliger Fahrstuhlkunde ist und es findet sich doch noch eine Tankkarte.

Jahlil kümmert sich um alles und zahlt erstmal (ich gebe es ihm später zurück). Allerdings stellen wir nach kurzer Zeit fest, dass sie uns fast doppelt so viel Diesel berechnet haben, wie in unseren Tank passt. Wir drehen auf der Autobahn um, fahren zurück und haben kurze später das zu viel gezahlte Geld in der Tasche. Wir rasen zum Hafen, stellen das Auto ab, springen in ein Taxi, kaufen auf dem Weg ein Zelt und kommen viel zu spät zu Jahlils Freunden, wo wir zum Mittagessen eingeladen sind. Nach einer hastigen Mahlzeit fahren wir zum Hafen wo die Verschiffungsgebühr auf einmal deutlich teurer ist als in unseren Quellen angegeben. Der stets gut gelaunte Jahlil akzeptiert auch diese Herausforderung und telefoniert sich bis zum Manager in Teheran durch. Kurze Zeit später bekommen wir einen saftigen Rabatt – es stellt sich heraus, dass Jahlil diesem, wie könnte es anders sein, vor einiger Zeit einen Fahrstuhl in ein Schiff gebaut hat. Dankbar verabschieden wir uns von Jahlil und verabreden uns für den Februar wieder, wo wir auf unserem Rückweg wieder durch Iran fahren werden.

Aufgrund des Wetters, der Unruhen aber auch der ungewohnten und für unser Empfingen frauenfeindliche Kultur verlassen wir den Iran mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite können wir es kaum erwarten, mal wieder die Vorzüge westlicher Kultur in Dubai genießen zu können, auf der anderen sind wir uns auch bewusst, dass wir nur einen kleinen Teil dieses wunderschönen Landes mit seinen bezaubernden Menschen gesehen haben und freuen uns schon darauf, diese ersten Eindrücke nächstes Jahr vertiefen und erweitern zu können.

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