Reise

Man trifft sich im Oman

Mit dem Oman erreichen wir den Scheitelpunkt unserer Reise. Nachdem wir unsere Pläne einige Male geändert hatten, wird der Oman unser Winterquartier, von dem wir so viel sehen und mitbekommen wie von keinem anderen Land (auf dieser Reise) zuvor. 

Mit dieser Entscheidung für den Oman sind wir nicht allein – nachdem wir monatelang mit wenigen Ausnahmen gar keine anderen Langzeitreisenden getroffen hatten, begegnen wir ihnen im Oman überall und teils scharenweise: Familien mit Wohnwagen, Paare mit Jeeps und Dachzelten, aber vor allem Herden großer Expeditionsfahrzeuge mit denen man (leicht modifiziert) auch auf dem Mars wochenlang autark unterwegs sein könnte.

Im Oman bekommen wir auch Besuch: Vor allem die Kinder (aber natürlich auch wir) freuen uns riesig, als wir im Dezember Rebekkas Mutter und Ende Januar dann meinen Vater vom Flughafen abholen und mit beiden auf unterschiedliche Art und Weise das wunderschöne Land bereisen.

Diese ungewohnte aber höchst willkommene Gesellschaft unterschiedlicher Art führte dann auch dazu, dass wir kaum Zeit für Reflexion fanden und unseren Blog etwas verwaisen ließen. 

Lang lebe der Sultan

Der Oman ist bislang das angenehmste und bequemste Land zum Reisen. Es gibt eine gut entwickelte touristische Infrastruktur, so gut wie keine Kriminalität, weitestgehend hervorragende Straßen, alle paar Kilometer kühles (Trink-)Wasser und eine abwechslungsreiche Landschaft in der man nahezu überall frei campieren darf. Sollte es mal ein Problem auf der Straße geben, kann man sich sicher sein, dass spätestens das dritte Auto hält und auch ohne Probleme wird man oft genug mit Wasser oder Nahrung versorgt – die islamische Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit ist auch im Oman stark ausgeprägt.

Das der Oman ein solch großartiges Land geworden ist, war keineswegs selbstverständlich. Vielmehr basierte diese Entwicklung, wie uns von zahlreichen Einheimischen versichert wird, zu einem großen Teil auf der weisen Führung des Sultans Quaboos, der einem von zahlreichen Plakaten und Bildschirmen mit unglaublich sympathischem Gesicht anlächelt und auch Namensgeber zahlreicher Straßen, Plätze und Gebäude ist.

Sultan Qaboos

Noch vor einigen hundert Jahren war der Oman, die legendäre Heimat von Sindbad dem Seefahrer, nicht nur einer der größten Erzeuger des wichtigsten Supplements religiöser Lobhudelei (Weihrauch), sondern auch wichtiger Dreh- und Angelpunkt des Seehandels zwischen Okzident, Orient und Fernost. Nach der Entdeckung alternativer Seerouten nach Indien durch die Europäer versank der Oman jedoch langsam in der Bedeutungslosigkeit bis er in der Mitte des 20. Jahrhunderts kaum noch mehr war als eine Ansammlung von Fischerdörfern und Nomadenstämmen.

Fischer beim Einholen der Netze bei Salalah

In dieser Situation übernahm Quaboos mittels eines unblutigen Putsches die Macht von seinem reformunwilligen Vater und führte sein Land mit behutsamer Hand und bedeutenden Rohstoffvorräten ins 21. Jahrhundert. Dabei vollbrachte er das Kunststück, auf der einen Seite weder die Seele seines Landes an den Teufel zu verkaufen bzw. Kultur und Tradition einem ungezügelten Turbokapitalismus zu opfern, wie es einem zuweilen in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheint. Auf der anderen Seite verfiel das Land auch nicht in religiösen Dogmatismus, sondern entwickelte ein islamisches Land, das Raum für  selbstständige Frauen und Andersgläubige schafft und Burkas und Bikinis friedlich am Strand koexistieren lässt.

Anders als in vielen anderen Ländern mit ähnlichem Personenkult stört uns die Omnipräsenz des Herrschers im Oman seltsamerweise nicht. Die vielfach bezeugte Liebe des Volkes zu seinem Souverän scheint echt und tief und wir wähnen uns in einem Einhorn ausgesetzt: einer tatsächlich funktionierenden Monarchie ohne Unterdrückung und mit zufriedenem Volk. Wie aus einer längst vergangenen Zeit wirken die Erzählungen mancher Einheimischer, nach denen der Sultan einmal jährlich sein Land bereist (erwähnten sie vielleicht gar eine Kutsche?) und dabei mit offenem Ohr für jedermann etwaige Probleme direkt vor Ort auf dem kurzen Dienstweg löst. 

Spätestens als wir hören, dass er zehntausenden Omani ein Haus zur Hochzeit geschenkt hat, sind wir uns nicht sicher, ob die Behauptung „Der Staat bin ich“ nicht doch von Sultan Quaboos stammt.

Reisegemeinschaft

Unsere Kinder freuen sich über die Gesellschaft Gleichaltriger

An unseren zweiten Tag im Oman laufen wir in einem Einkaufszentrum in Muscat zufällig Djamel und Keina über den Weg, die wir bereits in Dubai kurz getroffen hatten. Die nächsten zwei Monate werden wir mit ihnen und ihren drei Kindern Zinedin, Amin und Jamsu eine Art On-/ Off-Reisebeziehung führen, was unter anderem daran liegt, dass unsere Kinder trotz anfänglicher Verständigungsschwierigkeiten sehr kompatibel sind und wir über ähnliche Probleme verfügen. „Schooling the kids is very problem!“ klagt Djamel, der vor der Abreise kaum drei Worte Englisch sprach, nahezu täglich in einer Zeit zu der auch wir Schwierigkeiten haben, die Kinder für die Schule zu motivieren.

Djamel und ich versuchen uns zu verständigen

 Djamel und Keina sind Franzosen algerischer Herkunft und, wichtiger noch, streng gläubige Moslems. Wie wir sind sie in einem Wohnwagen unterwegs, aber im Gegensatz zu uns nehmen sie keine Auszeit, sondern sind mit Sack und Pack emigriert, mit unbestimmten Ziel, auf der Suche nach einem besseren Leben. Als Ursache der Frankreichflucht nannten sie eine zunehmende Islamophobie in der es beispielsweise unter Strafe steht, wenn Keina mit Burkini schwimmen geht.

Rastplatz in der Wüste

Es ist für uns unheimlich spannend, diese ungewohnte Perspektive zu erleben. Also nicht nur die Suche nach einer neuen Heimat, sondern auch das Leben einer muslimischen Familie in einer gewissen Intimität mitzuerleben. Angefangen von den fünf täglichen Gebeten über die rituelle Pilgerreise nach Mekka, die zwischenzeitlich (ohne uns) unternommen wird, bis hin zur Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit, die wie selbstverständlich jedem gewährt wird, dem sie begegnen.

Auch die beiden sind so vom Oman angetan, dass sie beschließen, sich hier fürs erste niederzulassen. Das Energiebündel und der ehemalige Kleinunternehmer Djamel denkt tagein, tagaus an das Business, welches er zu öffnen gedenkt (erst Eismanufaktur, dann eine Wohnmobilvermietung) und wir lassen uns von seinem Elan anstecken und entwerfen ein Business Modell und rechnen einen groben Businessplan durch. Zu unserer leisen Enttäuschung ist Djamel von dieser Herangehensweise nicht zu begeistern – er verfüge über „Instinkt“ und mache lieber „Tschak, tschak, tschak“ als groß zu planen oder zu rechnen.

Die Kinder begutachten frisch gefangene Fische

Über Djamel entdecken wir auch das Schnorcheln. Am ersten gemeinsamen Abend gehe ich in der Abenddämmerung mit ihm und Taschenlampe tauchen. Nach der Hektik des Tages abgeschirmt von allen Geräuschen in die Dunkelheit der Unterwasserwelt zu sinken und sie dabei mit dem grellen, punktuellen Taschenlampenstrahl zu erkunden, hat etwas beruhigendes und zugleich Magisches. Die meisten Unterwasserbewohner verfallen in eine Art Schockstarre durch das grelle Licht und lassen sich anstandslos von nahem bewundern. Mithilfe von Djamels Speer fangen wir am Abend einen Tintenfisch, den es am nächsten Tag dann gegrillt auf’s frische Baguette gibt.

Tintenfisch – selbst erlegt

Ich bin so begeistert, dass ich mich umgehend am nächsten Tag im Taucherladen ausstatte. Auch Rebekka und die Kinder finden schnell Gefallen daran, die Meereswelt zu erkunden und in den kommenden Wochen verbringen wir zahlreiche Stunden unter Wasser und entdecken die wunderbaren Küsten des Oman, in denen es von Meeresschildkröten, Delfinen, Muränen, zahllosen Fischen sowie Krustentieren wie Langusten nur so wimmelt. 

Oman mit Oma

Wir sind bereits einige Tage im Oman, haben Strand, Berge und Wüste gesehen als wir uns gegen Mitternacht aufmachen, um Rebekkas Mutter Annette vom Flughafen in Muscat abzuholen. Vor allem die Kinder waren schon mehrere Wochen vorher aufgeregt: Die Aussicht darauf, nach einem halben Jahr Reise endlich wieder die Oma zu sehen und damit auch ein Stück in der Fremde zuhause zu sein versetzte Jakob, Emil und Paula in höchste Verzückung.

Auch wir sind gespannt auf die gemeinsame Zeit. Wie würde es sein, nach einem halben Jahr Langzeitreise mit jemanden zusammenzutreffen, der frisch aus dem Arbeitsalltrag im Prinzip uns in Form eines Urlaubs begleitet? Im Iran hatten wir uns vorsorglich noch mit einem Zelt ausgestattet, um zumindest nachts der Enge unseres Autos entkommen zu können, aber darüber hinaus kein großes Touristenprogramm geplant: Wir wollten ihr die Gelegenheit geben, unseren Reisealltag hautnah mitzuerleben.

Katzenwäsche an einer der zahlreichen Moscheen

Bereits in der zweiten Nacht zeigt sich, dass dieses Vorhaben nicht nur für positive Erlebnisse sorgen sollte. Wir erleben einen der seltenen, wolkenbruchartigen Regengüsse und das iranische Zelt, welches schon Brandlöcher von den Vorbesitzern aufwies, stellte sich leider als weder wind-, noch wetterfest heraus. Damit verbringen wir die erste von vielen noch folgenden Nächten zu sechst im Wohnmobil. 

Die seltenen Regengüsse können durchaus heftig ausfallen

Am nächsten Tag machen wir uns in die Berge auf, um das Hochland südlich von Muscat zu erkunden. Auf halber Strecke beginnt es erneut zu schütten. Wieder kein Zelt denken wir noch, als einer der Reifen plötzlich Luft verliert und wir die Fahrt mitten auf einer Landstraße abbrechen müssen. Authentischer kann man eine Langzeitreise mit Kindern nicht miterleben: Nach stundenlanger Fahrt steht man mit nörgelnden Kindern am Straßenrand und versucht, im strömenden Regen eine Autopanne zu beheben.

Macht genau soviel Spaß wie es aussieht.

Kaum hatte ich den Reifen geflickt und festgestellt, dass der in Kirgistan gekaufte Wagenheber für den abschüssigen Grund, auf dem wir das Auto zum Halten gebracht hatten, zu kurz dimensioniert war, als schon der erste Wagen hält und Hilfe anbietet. Ohne groß Worte zu verlieren, dirigiert mich der Omani in seinen Jeep und fährt mich zur nächsten Werkstatt. Rebekka, die Kinder und Oma Anette durften in seiner Finka, die unweit in den Bergen war, vor dem Regen Unterschlupf suchen.

Der Automechaniker hatte jedoch aufgrund des Regens beschlossen, für heute Allah einen guten Mann sein zu lassen und die Werkstatt bereits am frühen Nachmittag geschlossen.  Dabei hat er die Rechnung jedoch ohne den Omani gemacht. Begleitet von einer Schimpftirade über die faulen Bangladeshi, Inder und Pakistani (die zusammen mit einigen anderen Nationalitäten gut die Hälfte der Bevölkerung des Oman ausmachen) fährt er zu einem kleinen Bistro, kurbelt das Fenster herunter, hupt und ruft einige Worte auf Arabisch die nicht nach einer freundlichen Bitte klingen.

Wie von einer Tarantel gestochen, erhebt sich einer der Gäste und eilt zu meinem omanischen Helfer. Der stutzt ihn nochmal zurecht und weist ihn an, auf seine Ladefläche zu klettern. Meinen Einwand, wir könnten doch auch zu dritt in der Fahrgastkabine sitzen, wischt er mit einer Handbewegung beiseite: Der bleibt schön da hinten im Regen.

Es geht zur Werkstatt um Werkzeug und Wagenheber zu holen und dann mit hundert Sachen zurück zu unserem Wohnwagen – im noch immer strömenden Regen hat der Mechaniker aus Bangladesh Mühe, sich stehend auf der Ladefläche festzuhalten. Trotz des weiter oben geschilderten positiven Gesamteindrucks ist der Oman wie die anderen arabischen Länder auch eine strikte Zweiklassengesellschaft. Die Expats sind, je nach Herkunft, Menschen zweiter oder dritter Klasse und die Einheimischen halten sich diesen prinzipiell und unabhängig von bestehenden Arbeitsverhältnissen für weisungsbefugt.  Nach kurzer Zeit ist der Reifen ausgewechselt. Der Omani bietet uns seine leerstehende Finka unweit in den Bergen als Nachtlager, da es schon spät ist, nehmen wir dankbar an.

Am Schildkrötenstrand

In den kommenden Tagen vertiefen wir den Crashkurs im „Überland-Reisen“. Duschen gibt es nur alle paar Tage, Platz und individueller Freiraum sind praktisch nicht vorhanden, aber dafür fällt man, wenn man früh die Tür öffnet, an einem Tag in die Wüste, am nächsten in azurblaues Meer. Zeitweise begleitet von Djamel und Keina erholen wir uns an einigen wunderschönen Stränden (und sehen dabei eine der riesigen hiesigen Meeresschildkröten), bleiben einige Tage in der Wüste und erkundeten zwei Wadis.

Wadi bani Khalid

Wadis sind fruchtbare Täler, die in der schroffen und trockenen osmanischen Berglandschaft kleine Oasen bilden. Es ist ein erhebender Anblick, wenn man nach stundenlanger Fahrt durch Grau- und Brauntöne auf einmal in ein fruchtbares Tal einfährt und alles voller Grün vorfindet: Dattelpalmen, Bananenstauden, Papayabäume und Kokospalmen stehen neben anderen Pflanzen in einer Fülle auf engstem Raum, die man noch wenige Minuten zuvor nicht für möglich gehalten hätte.

Im Wadi bani Khalid, dem größten touristisch erschlossenen Wadi im Oman verbringen wir Weihnachten. Zwar werden tagsüber Busladungen Pauschalreisender ausgekippt, aber abends hat man das Wadi beinahe für sich. Annette und ich gehen mit den Kindern in einer der zahlreichen natürliches Wasserbecken schwimmen während Rebekka die Geschenke verpackt und unsere Weihnachtspalme schmückt. Trotz des ungewohnten Formats und Wetters kommen zumindest einige Weihnachtsgefühle auf, auch dank der heimatlichen Weihnachtssüßigkeiten, die Annette mitgebracht hatte.

Unsere Weihnachtspalme

Knapp drei Wochen reisen wir mit Annette, die uns während dieser Zeit vor allem auch bei den eher unangenehmeren Tätigkeiten des Reisealltags unterstützt. Wäsche und Geschirrwaschen geht mit zwei zusätzlichen Händen viel schneller und wir beneiden Ihre Geduld, die sie beim täglichen Unterricht von Jakob und Emil aufbringt. Am Ende wartet dann das Highlight: Annette übernimmt allein die Kinderbetreuung und Rebekka und ich verbringen zwei Tage im Hilton Hotel in Muscat und genießen, Platz, Komfort und Ruhe.  Schweren Herzens verabschieden wir uns von Annette, sind jedoch auch ein wenig froh, wieder mehr Platz im Auto zu haben.

Jakob als Omani

Begegnungen in Salalah

Wir haben knapp zwei Wochen bevor mit Opa Jürgen der nächste Deutschlandbesuch ansteht und wir beschließen, nach Salalah zu fahren, das mehr als 1000 km entfernt ganz im Süden des Oman liegt. Auf dem Weg erfahren wir an einer Tankstelle vom Tod des großen Sultans. Nicht ganz unerwartet erlag er schon hochbetagt einem langwierigen Krebsleiden, nichtsdestotrotz scheinen die Menschen vor Trauer geknickt zu sein und eine seltsame Melancholie liegt in der Luft, in der die Flaggen nur noch auf Halbmast wehen. Zwei Wochen später treffen wir zufällig den deutschen Botschafter beim Einkaufen, der uns unseren Eindruck der Stimmung bestätigt und erzählt, dass seit dem Ableben von Quaboos zur Beruhigung nur klassische Musik und Koranrezitationen im Radio laufen. Zwar wurde die Nachfolge noch zu Lebzeiten geregelt, aber die Omani mit denen wir darüber ins Gespräch kommen, sind vorsichtig skeptisch, ob der Nachfolger des gewichtigen Erbes sowie der kommenden Herausforderungen gewachsen ist. Trotz aller vergangenen Erfolge, ist der Oman noch hauptsächlich auf die Einkünfte aus den Rohstoffexporten angewiesen und die Diversifizierung der Staatseinnahmen wird als größte Herausforderung des neuen Herrschers gesehen.

Sandsturm auf dem Weg nach Süden

Passend zur Stimmung geraten wir auf dem Weg nach Salalah erst in einen heftigen Sandsturm und dann in eine Heuschreckenplage. Auch die Bevölkerungsdichte sowie der Zustand der Häuser nimmt rapide ab und es bestätigt sich, was uns der kanadische Hipster-Expat, den wir eine Woche zuvor am Strand getroffen hatten, erzählt hat: „It‘s gettting raw“ und zwar umso mehr, je südlicher man kommt. Über weite Strecken gibt es nichts als trockene Einöde, nur an den Küsten sowie vereinzelt im Landesinneren gibt es meist kleine Siedlungen windschiefer Hütten.

Eine Heuschreckenplage – auf dem Bild nur zu erahnen

Dafür treffen wir andere Reisende und zwar ebenfalls umso mehr je südlicher wir sind. Am Anfang ist es nur ein LKW, in der nächsten Nacht sind es schon drei und in Salalah verbringen wir eine knappe Woche mit bis zu 8 Wohn,- und Expeditionsmobilen am Strand. Dies ist insofern kein Zufall, als dass der Oman ein ideales Land zum Überwintern ist. Neben den bereits genannten Vorzügen, zieht vor allem das winterliche Klima Langzeitreisende aus aller Herren Länder an wie ein Magnet. Tagsüber bewegen sich die Temperaturen in der Regel zwischen 25 und 30 Grad, nachts zwischen 12 und 18. Zudem ist zumindest der südliche Oman auch eine Sackgasse und das wunderschöne Salalah ein Kopfbahnhof, in dem sich im Winter das Who’s Who des Langzeitreisens trifft, einmal abklatscht, um dann wieder zurück in alle Herren Länder auseinanderzugehen. 

Zufallsbekanntschaften unter Kokospalmen in Salalah
Es ist tatsächlich so schön wie es aussieht.

Während Rebekka und die Kinder die Natur und Kultur Salalahs bewundern, verbringe ich zwei Tage damit, den Tisch schweißen zu lassen. Dieses Mobiliar ist für uns von zentraler Bedeutung – an ihm essen, spielen und lernen wir tagsüber – nachts dient er dreien von uns als Bett. Über zwei Wochen müssen wir ihn immer wieder reparieren lassen, bevor er wieder funktional der alte ist. Abends sitzen wir mit einigen der anderen Reisenden am Lagerfeuer und staunen über einige der Reisegeschichten, bewundern atemberaubende Fotos aus einsamen und unzugänglichen Gegenden und beschließen nicht zum ersten Mal, dass die nächste Reise, sollte es denn eine geben, auf jeden Fall mit einem Allradfahrzeug durchgeführt wird.  

Am Delfinstrand

Nach einer knappen Woche brechen wir wieder auf und treffen zufällig unweit eines Strandes Simon und Claudia, die wir bereits in Kirgistan getroffen hatten, mit ihrem VW-Bus. Wir beschließen, die Nacht am Strand zu verbringen. Am nächsten Morgen sehen wir Delfine direkt am Strand ihre Runden drehen. Nach kurzem Zögern gehen auch wir ins Wasser und sehen die Tiere aus unmittelbarer Nähe: Erst nähert sich das Leittier und schließlich umrundet uns die komplette Familie inklusive mehrerer Jungtiere mit Armeslänge Abstand. Direkt neben diesen majestätischen Tieren in freier Wildbahn an einem wunderschönen Strand zu schwimmen gehört bislang mit zu den schönsten Erlebnissen auf dieser Reise und wir können den ganzen Tag nicht genug davon bekommen.

Schwimmen mit Delfinen

Zwischendurch kommt ein Fischer vorbei und schenkt uns zwei Tintenfische und mehrere Fische, die wir am Abend über dem Feuer zubereiten. Zwar fange ich nach stundenlangen vergeblichen Versuchen in den Klippen auch eine Languste, aber das Tier ist so schön, dass sich die Kinder unisono für dessen Rückführung ins Meer stark machen. Zusammen mit Simon und Claudia lassen wir einen nahezu perfekten Tag am Meer ausklingen bevor wir uns am nächsten Tag auf den langen Rückweg nach Muscat machen. 

Languste – erst gefangen, dann wieder frei gelassen
Sonnenuntergang am Delfinstrand

Oman mit Opa

Wenige Tage später sind wir erneut am Flughafen, um meinen Vater Jürgen vom Flughafen abzuholen. Ähnlich wie bei Oma Annette wenige Wochen zuvor, sind die Kinder erst aufgeregt und dann völlig aus dem Häuschen. Wir haben aus den Erfahrungen mit unserem Zelt und der Enge unseres Autos zu sechst gelernt und für den Großteil der gemeinsamen Zeit einen Allrad-SUV mit Dachzelt gemietet. So können wir auch in die unwirtlichen Gegenden Omans fahren, die uns mit unserem Wohnmobil verschlossen bleiben.

Opa Jürgen und seine Kamera

In der Tat ist das Reisen sehr viel entspannter, wenn man nur zu zweit oder dritt im Auto ist und nicht wie wir permanent zu fünft. Meist wollen mindestens zwei Kinder bei Opa Jürgen sein, so dass Rebekka und ich entweder allein oder mit nur einem Kind uns auch einmal auf das Reisen konzentrieren können. So schön das Reisen auch ist, die permanente Enge und der fehlende Freiraum machen gerade (aber nicht nur) mir zuweilen doch zu schaffen und so genieße ich die Ent-Spannung in vollen Zügen.

Auch mit Opa Jürgen sehen wir Kamele an jeder Ecke

Wir verbringen zwei Tage im Gebirge und befahren und bewandern den Jebel Shams, den höchsten Berg Omans bevor wir uns erneut in die Ramlat Wahiba, eine große Sandwüste, aufmachen. Das letzte Mal waren wir mit Oma Annette sowie Djamel und Keina hier und konnten mit unserem Wohnmobil gerade so an den Rand fahren und haben die Wüste in erster Linie als großen Kinderspielplatz erlebt: Stundenlang hatten sechs Kinder ohne irgendwelche Hilfsmittel Spaß daran, Dünen hinaufzuklettern und hinabzuspringen, zu rollen, zu schlittern und zu gleiten.

Es gibt nichts schöneres!

Dieses Mal haben wir ein Allradfahrzeug und fahren tief in die Wüste rein. Anfangs noch zaghaft, fahren wir nach einigen Stunden dann mit Vollgas die Dünen rauf und runter. Opa Jürgen, der der arabischen Kultur sonst eher besorgt gegenübersteht, trägt mittlerweile ein Kopftuch und lässt sich vor Freude zu arabischen Jubelrufen hinreißen und wir spekulieren schon, wie lange es noch dauert, bis er zum Islam konvertiert.

Hamdulillah!

Knapp zwei Tage verbringen wir in der Ramlat Wahiba, die zu den besterschlossensten Wüsten der Welt gehört. Die Beduinen leben schon längere Zeit mehr vom Tourismus als von Kamelzucht und befahren dabei, der Schwerkraft trotzend, in derart waghalsigen Manövern mit ihren alten Toyota-Pickup Trucks auch noch die steilsten Dünen, dass einem schon vom Zusehen schwindlich wird. Auch Opa Jürgen und die Kinder nehmen für eine Stunde im Auto eines Beduinen Platz und sind danach hellauf begeistert – ich musste aufgrund einer schweren Erkältung leider passen.

Stillleben mit Opa, Stuhl und Esel

Aufgrund einer Änderung des Fluplans mussten wir leider einen Tag früher als gedacht von meinem Vater Abschied nehmen. Wieder sind wir in Muscat am Flughafen und winken dem vorerst letzten Besuch aus der Heimat für lange Zeit zu. Auch unsere Zeit im Oman neigt sich dem Ende zu. Wir verbringen noch ein paar letzte Tage an unseren Lieblingsstränden und fahren dann ein letztes Mal zurück nach Muscat, bevor wir in die Vereinigten Arabischen Emirate zurückkehren mit der Absicht, die Fähre in den Iran zu besteigen.    

Abschied vom Oman

Dort treffen wir auch Djamel und Keina wieder. Sie haben sich eine Wohnung und einen kleinen Laden gemietet. Aus der Geschäftsidee der Wohnmobilvermietung ist eine französische Dessertproduktion geworden. Keine großen Investitionen, überschaubares Risiko. Aber das sei nur der erste Schritt. Danach will er ein großes Import-/Exportunternehmen aufziehen. „Big money, my friend!“ Eine Woche später hat er bereits einen Liefervertrag mit Carrefour, einer großen französischen Supermarktkette, geschlossen. Bei unserem Abschied wenige Tage später haben wir keine Bedenken, dass die beiden es mit ihren drei Kindern nicht schaffen können.

Das letzte gemeinsame Abendmahl im Oman

Am Tag vor der Grenzüberquerung lernen wir noch David und Laure mit ihren fünf Kindern aus Frankreich, sowie Vincent und Eva mit drei Kindern aus Belgien kennen. Mit letzteren werden wir gemeinsam über weite Strecken die Vereinigten Arabischen Emirate bereisen, vorerst verbringen wir noch eine letzte Nacht am Strand in Muscat. Bei vier Familien mit insgesamt 14 Kindern kommt dabei fast so etwas wie Ferienlagerstimmung auf.

Kinder, Sand und Meer – simple Formel für langes Glück

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir nach genau zwei Monaten den Oman. Auf der einen Seite haben wir den Oman als offenes, liberales, wunderschönes und leicht zu bereisendes Land kennen und lieben gelernt. Auf der anderen Seite sind wir seit zwei Monaten mehr oder weniger an einem Ort und wurden in den letzten Wochen zunehmend rastlos. Wir sind froh, dass wir die Reise nun fortsetzen und auch ein bisschen, dass wir nun die Rückreise nach Hause beginnen werden.

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