Reise

Entspannung in Lettland

Nachdem wir in Litauen nachts häufig gefroren haben und zu allem Übel auch noch feststellen mussten, dass eines der Dachfenster unseres Wohnmobils bei starkem Regen nicht mehr richtig dicht bleibt (der Gummi ist ziemlich porös), ist das Wetter, seit wir in Lettland sind, deutlich wärmer und sonniger.

Zunächst sind wir nach Jūrmala gefahen und haben einen Tag am Strand verbracht – inklusive Matschburg bauen, Fussball spielen, lesen und dösen. Das kleine Städtchen wird auch als die baltische Version der französischen Riviera bezeichnet: Es gibt jede Menge wunderschöne alte und sehr individuelle Holzvillen – zum Teil direkt am Strand. Jūrmala war im Kommunismus DAS Kurbad des russischen Reiches – der Glanz ist zwar an einigen Stellen verschwunden, lässt sich aber noch erahnen.

Abends haben wir uns auf einen Waldparkplatz in der Nähe von Jūrmala mit direktem Zugang zum Strand gestellt. Eigentlich war der Plan, nach dem erfolgleichen ersten Einsatz unseres Dreibeins in Litauen, auch hier wieder direkt über dem offenen Feuer zu kochen. Aber leider sollte es gegen Abend dann doch wieder regnen (wenn auch nur kurz – wonach es aber zunächst nicht aussah), so dass wir dann doch mit Gas im Wohnmobil kochen mussten. Die Gegend ist wirklich sehr idyllisch – der gesamte Boden des Kiefernwaldes war mossbedeckt und überall wuchsen Blaubeeren. Direkt dahinter die unberührte Ostsee – kilometerlanger Strand, wunderschöne Dünen und weit und breit keine anderen Menschen.

Am nächsten Morgen sind wir sehr zeitig nach Riga gefahren und wollten uns die Stadt ansehen. Als wir schließlich ankamen, hat es so stark angefangen zu regnen, dass die Kinder sich geweigert haben, das Auto zu verlassen. Die Progonse für den Rest des Tages blieb düster. Wir haben überlegt, was wir stattdessen unternehmen könnten und sind bei der Recherche auf Lettlands größten Wasserpark „Akvaparks“ gestoßen. Also wieder 50 Kilometer zurück Richtung Jūrmala… Die Entscheidung hat definitiv den Tag gerettet.

Weiter ging es nach Cesis in den Gauja Nationalpark – unsere bisher längste und definitiv auch schönste Station der Reise. Der Fluss, Namenspate des Parks, ist umgeben von herrlichen Kiefernwäldern in denen man wunderbar wandern und Rad fahren kann. Unser Zeltplatz selbst hatte ein großes Manko: Das Wasser roch und schmeckte extrem nach Eisen. Der Geruch war so stark und unangenehm, dass Sebastian schon drauf und dran war Trinkwasser zu kaufen. Dann entdeckten wir ganz in der Nähe de Zeltplatzes eine Quelle aus der wir uns mit Trinkwasser versorgen konnten. Ich hab das Gefühl noch nie so gutes Wasser getrunken zu haben – vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass wir in der letzten Zeit häufig selbstgefiltertes See- oder Flusswasser getrunken haben.

Eines Abends sagte Paula beim ins Bett gehen, dass sie sich wünsche, eine deutschsprachige Freundin zu finden. Bisher hatten wir auf allen Campingplätzen und Stationen vor allem ältere Paare ohne Kinder getroffen. Als unsere Kinder an diesem Abend schliefen, bekam ich beim Abwaschen mit, dass eine deutschsprachige Familie mit Kindern gerade angekommen war. Am nächsten Morgen schickte ich Paula zum Spielplatz – Jakob und Emil sind direkt hinterhergerannt und die nächsten zweieinhalb Tage verbrachten wir dann im Prinzip vollständig mit einer unglaublich netten fünfköpfigen Familie. Die drei Kinder – zwei Jungs und ein Mädchen – waren in etwa im Alter von Jakob, Emil und Paula. Die 6er-Kinder-Bande hatte extrem viel Spaß und es gab erstaunlicherweise nicht ein einziges Mal Knatsch.

Beim ersten gemeinsamen Spaziergang durch den Park haben die Kinder an einer großen Matsch-Pfütze ihre Schuhe ausgezogen und sind gesprungen und haben getobt was das Zeug hielt. Später sind sie dann – auf der Suche nach einem Bieber-Bau – direkt in einen sehr kleinen Seitenarm des Gauja gegangen und haben eine kleine Sand- oder besser – Matsch-„bank“ gefunden. Dann waren alle für mindestens Stunde mit Springen, Kreischen, Toben, Lachen beschäftigt bis die Klamotten komplett durchnässt und die kleinen Kinderkörper ausgekühlt waren. Der Weg mit den Matschmonstern zurück zum Zeltplatz wurde noch durch die Suche geeigneten Haselrouten für Zwillen und sonstige Holzwaffen in die Länge gezogen.

Die Burg in Cesis, die wir am nächsten Tag gemeinsam besuchten, wurde dann stilecht mit den am Abend zuvor am Lagerfeuer, in stundenlanger und detailverliebter Kleinarbeit durch den Vater der Familie (er hat tatsächlich für JEDES Kind – das waren immerhin sechs an der Zahl – einen Dolch geschnitzt – am nächsten Morgen klebte ein dickes Pflaster über der aufgeriebenen Blase am Zeigefinger…), geschnitzen Dolchen und Schwertern erobert.

Die mittelalterliche Bug in Cesis ist wirklich einen Besuch Wert. Das Beste Detail: Der Westturm ist originalgetreu restauriert worden und stockduster – kein Fenster, kein Licht. Um ihn zu erklimmen bekommt man am Eingang des Turms von einer in mittelalterlicher Tracht gekleideten älteren Dame, eine Laterne mit echter Kerze in die Hand gedrückt. Die war auch wirklich bitter nötig, da man ohne Licht wirklich nichts sah und anders kaum vorwärts gekommen wäre. So bekam man einen echten Eindruck davon, wie unheimlich es in diesen Burgen gewesen sein muss…

Die Zeit mit Christian, Karen und ihren Kindern war wirklich sehr schön und extrem harmonisch. Wir fünf haben sehr davon profitiert und viel positive Energie getankt. Sebastian und ich waren vorallem von Karens und Christians wirklich tollen Umgang mit ihren Kindern beeindruckt. Die Zeit in Cesis wird wahrscheinlich noch sehr lange nachhallen. Die geschnitzen Dolche werden uns auf der gesamten Reise nun begleiten und hoffentlich gut gegen Bären und Wölfe verteidigen.

2 Kommentare

  • Christian

    Lieber Dank für diese schönen Zeilen! Auch wir denken sehr gerne an die gemeinsame Zeit mit Euch zurück! Ein, zwei Stationen später auf unserer Reise wurden die Holz-Schwerter immer mehr und vor allem auch immer länger – das Schnitzfieber hatte mich fortan definitiv gepackt 😉
    Gute Reise weiterhin und auf bald, Karen und Christian

    • Rebekka

      Lieber Christian,
      schön, dass Ihr Euch meldet. Dass Du weiterhin schnitzen würdest war ja klar 🙂

      Liebe Grüße an Karen und die Kinder.
      Rebekka & Sebastian

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