Reise

Moskau, Moskau…

Irgendwie irre, dass wir es jetzt schon so weit geschafft haben. Wir sind tatsächlich in Russland, unserem ersten größeren Etappenziel! Erste Station war Sankt Petersburg. Wir haben in Estland noch eine Empfehlung für einen relativ zentrumsnahen Stellplatz erhalten und sind somit dort hingefahren. Der „Campingplatz“ war eigentlich ein Fitnessstudio mit angeschlossenem Fußballplatz. Als Bad fungierten die Umkleidekabinen samt Duschen der Fußballer. Außerdem gab es zwei Dixiklos, die sich bei näherer Betrachtung als ordentliche Wasserklosetts mit Spülung, eingebaut in eine Dixikabine, herausstellten. Küche oder Waschküche – Fehlanzeige….Später haben wir festgestellt, dass man, gegen einen geringen Obulus, auch im Fitnessstudio selbst duschen in einer schönen Einzelkabine sowie mit bereitgestelltem Handtuch könnte. Der Platzwart jedenfalls, ein älterer Herr aus Usbekistan, ist außerordentlich nett und hilfsbereit.

Am ersten Abend und nach den vielen Stunden im Auto (zunächst ca. 4 Stunden an der Grenze und dann in etwa 3 Stunden Fahrt bis Sankt Petersburg) hatten die Kinder einen unbändigen Bewegungsdran. Also bin ich mit allen dreien losgezogen und habe den nächstbesten Spielplatz gesucht. Der war zum Glück auch schnell gefunden. Die Kinder hatten dort zum ersten Mal wirklich das Gefühl in einem anderen Land zu sein: Es gab auf dem Spielplatz nur russische Kinder. Eine größerer Horde 8-10jähriger spielte eine Art Abwurf-Spiel mit einem Ball und hatte viel Spaß. Jakob und Emil haben sehr lange mit sich gerungen bevor sie einen Schritt auf die Kinder zugegangen sind. Am Ende habe ich den Vater eines Kindes ansprechen müssen – und dann kam – wenn auch sehr zögerlich – ein Spiel zustande. Die größte Begeisterung entbrannte allerdings, als Jakob und Emil mit den Sayway-artigen Elektro-Zweirädern zweier Jungs fahren durften. Auf dem Rückweg hatten beide ganz feuchte Augen vor Glück und ich zählte die Sekunden bis sie mir mitteilen würden, dass sie sich solche Dinger zum Geburtstag wünsche würden – es waren genau 5 Sekunden! Ich kenn doch meine Pappenheimer. Die Kommunikation mit den Kindern verlief erstaunlicherweise über Google translate oder stumm. Beide 8(!)jährigen Jungs besaßen bereits Handys. Und immer wenn die Eltern die Handys wieder einkassierten (damit sie auf dem Spielplatz nicht verloren gehen würden), wurden die Kinder plötzlich wieder stumm und man behalf sich für die Kommunikation mit Zeichensprache. Es ist wirklich erstaunlich, wie wichtig Sprache für Grundschulkinder bereits ist und wie hilflos sich unsere Kinder ohne sie fühlen…Die 4jährige Paula hingegen spielte ganz vergnügt im Sandkasten völlig unbeeindruckt von allen Kindern im sie herum.

Sankt Petersburg ist wirklich eine außerordentlich schöne Stadt. Besonders der Sommergarten ist wunderschön. Wir waren an dem bisher heißesten Tag der Reise dort und haben die vielen Springbrunnen und die Schatten spendenden Bäume sehr genossen. Auch in anderer Hinsicht war der Park außerordentlich: Die Kinder haben jeweils eine Kugel Eis in einer mit Lebensmittelfarbe kolorierten Waffel für insgesamt 12 Euro gegessen – das bisher teuerste Eis der Reise. Am späten Nachmittag (nach knapp 15 Kilometern Fußmarsch) waren wir auf der kleinen Insel „New Holland“ – einem großen Ruhepol mit Spielplatz und viel Schatten, aber die Kinder waren viel zu müde zum Spielen.

Da wir die Hermitage oder andere Museen mit den Kindern ohnehin nicht besuchen konnten (wir kommen auf jeden Fall wieder – aber dann vermutlich zu zweit) sind wir nach nur zwei Tagen weitergezogen – allerdings nicht ohne einen Abstecher nach Pushkin, der Stadt die den Katharinenpalast mit dem berühmten Bernsteinzimmer beherbergt. Leider war es unmöglich in den Palast selbst zu gelangen, da die Schlange so extrem lang war, dass man 3 Stunden hätte anstehen müssen. Paula war sehr traurig, wollte sie doch unbedingt das Zimmer der Prinzessin sehen. Zum Glück fanden wir heraus, dass es aber sehr wohl möglich war, sich die Hermitage auf dem Gelände anzusehen, ein kleines „Gimmick“ der Zarin für ihre Gäste: der kleine Pavillion besteht aus zwei Stockwerken, die über einen „Fahrstuhl“ in Form eines per Seilzug betriebenen Sofas verbunden sind. Im oberen Geschoß gibt es eine große Tafel sowie vier kleine Beistelltische, die ebenfalls komplett per Seilzug hinauf- und hinabgefahren werden konnten. Oder – wenn die Gäste nach dem Essen tanzen wollten – als Ganzes versenkt werden konnten. Damit aber nicht genug: Jeder Teller eines jeden Gastes (32 an der Zahl) war mit einer kleinen Tafel, einem Stück Kreide, sowie einer langen Kordel, die mit einer Klingel im Untergeschoss verbunden war, ausgestattet. Hatte ein Gast nun einen bestimmten Essenswunsch, musste der ihn nur mit der Kreide auf der Tafel notieren und an der Kordel ziehen. Kurz darauf verschwand der leere Teller wie von Zauberhand im Untergeschoss, um kurze Zeit später, mit der gewünschten Mahlzeit darauf, wieder aufzutauchen.

Leider war die Führung, auf die wir ebenfalls sehr lange, wenn auch keine drei Stunden, warten mussten und die obligatorisch war, nur auf Russisch. Die Kinder hatten entsprechend viel Lust sich ruhig in diesen historischen Räumlichkeiten mit sehr edlem mehrfarbigen Parkett, vielen Spiegeln und viel Prunk zu verhalten. Die „Privataudienz“ bei der Touristenführerin im Anschluss machte aber alles wieder wett.

Unser Stellplatz an diesem Abend, an einem See, war mal wieder direkt an der Autobahn und leider auch alles andere als idyllisch. Es war extrem dreckig und sehr vermüllt. Am nächsten Morgen sind wir deshalb auch früh aufgebrochen und in den Waldai Nationalpark gefahren. Sofort waren auch alle wieder viel entspannter und hatten bessere Laune. Wir standen zum ersten Mal mitten im Wald. Ein bisschen unbehaglich war uns allerdings schon zu Mute, da wir gelesen hatten, dass es in dem Park auch Braunbären gibt…Gesehen oder gehört haben wir keine, Kraft getankt hingegen ganz viel für die nächste bevorstehende Großstadt: Moskau…

Nach einer längeren Autofahrt sind wir endlich in Moskau angekommen.  Ich bin lange gefahren und Sebastian hat mit den Kindern die kyrillischen Buchstaben gelernt. Die Kinder haben erstaunlich schnell begriffen und lesen uns seither ganz emsig vor. Die Einfahrt in Moskau, begleitet von dem obligatorischen Dschingis Khan Hit, ließ die Kinder mal wieder völlig kalt – ganz im Gegensatz zu uns: Was für eine gigantische Stadt!

Den ersten Tag haben wir im Prinzip auf dem Izmaylovky-Markt verbracht. Die Kinder haben sich endlich mal etwas von ihrem Euro kaufen können, worüber sie sich wirklich freuten: Paula hat sich eine Matroschka mit 5 Puppen gekauft. Jakob hat sogar noch den Preis für seine 3 Schlüsselanhänger-Matroschkas gedrückt, so dass er insgesamt mit einem Euro davonkam. Emil hat sich einen ausklappbaren Trinkbecher gekauft… Abends haben wir mit Lui und Janis zusammengesessen, Vater und Sohn aus dem Münsteraner Raum, die gerade auf dem Rückweg aus Usbekistan waren. Das erste Gespräch mit ihnen ging ungefähr so los: „Fahren alle Eurasien-Touristen aus LOS (für Uneingeweihte: Landkreis-Oder-Spree) einen VW LT?“  Es stellte sich heraus, dass sie auf dem Pamir-Highway in Tadschikistan am Straßenrand auf einen liegengebliebenen Brandenburger getroffen sind, dessen Auto einen Achsbruch erlitten hat und der etwa eine Woche auf Hilfe warten musste. Bei der Info zuckte ich innerlich zusammen und das Herz rutschte mir in die Hose. Bitte bitte bitte, so etwas darf uns auf gar keinen Fall passieren. Lui, der Vater des Reiseduos, erklärte noch ganz lapidar, dass man einfach immer wachsam sein müsse. Eine kleine Unaufmerksamkeit und schon kann es geschehen. Später, am Abend, bei Wein, Bier und dem guten Rum (Danke noch einmal, Spock ;)), haben beide ihre Wahrnehmung etwas relativiert: Es seien viele Fahrzeuge auf diesen Straßen unterwegs, die deutlich schlechter ausgestattet wären als unsere…

Den nächsten Tag haben wir im historischen Zentrum von Moskau verbracht. Im Kreml hatten wir mal wieder großes Glück: Die Reiseleiterin eines Kreuzfahrtschiffes hatte eine Tageskarte übrig, da einer ihrer Schützlinge krank geworden ist und deshalb nicht mitkonnte. Sie schenkte uns also eine Tageskarte. Immerhin 10 Euro die wir gespart haben. Im Kreml selbst habe ich zum ersten Mal einen russisch-orthodoxe Kirche von innen gesehen. In der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale hab ich mich an mein Grundstudium und die Vorlesungen von Herrn Professor Groh erinnert gefühlt. Bedeutungsperspektive LIVE UND DIREKT!!! Und dann – endlich – DIE Ikone von Moskau, die Basilika – das berühmte Bauwerk mit den bunten Zwiebeltürmen. Der Versuch ein tolles Foto mit der Basilika und uns fünf hinzubekommen ist leider trotz zahlreicher und hartnäckiger Versuche missglückt.

Den nächsten Tag haben wir dann im „neuen Moskau“ verbracht und den höchsten Wolkenkratzer Europas besichtigt. Vor allem Sebastian war sehr davon angetan.

Insgesamt haben vier Tage Moskau allerdings gereicht und wir hatten dringend Ruhe nötig, weshalb dieser Tag auch der letzte in Moskau gewesen sein sollte.

4 Kommentare

  • Joachim Wolf

    Hallo liebe Reisende,
    Es freut uns, dass es mit Platz in St. Petersburg geklappt. Weiterhin eine glückliche Reise.
    Die Tippgeber aus Estland
    Villeicht sehe ich euch auf den Fotos der River Point Lodge wieder

    Liebe Grüße

    Joachim

    • Rebekka

      Lieber Joachim,

      danke noch einmal für den Tipp.
      Ob wir es wirklich bis in die Mongolei schaffen, ist momentan leider etwas fraglich, da unser Auto immernoch in der Werkstatt ist.
      Drückt uns die Daumen.

      Liebe Grüße,
      Rebekka & Sebastian

  • Jenny

    Hallo ihr Lieben!
    Schöne Fotos und aufregende Erzählungen, weiter so! Wir drücken die Daumen!
    Wir sind gerade auf dem Weg nach Dänemark.
    Liebe Grüße von uns allen.

    • Rebekka

      Liebe Jenny,

      Danke für das Lob und die Glückwunsche 😉
      wir wünschen Euch viel Spaß in Dänemark!

      Liebe Grüße,
      Rebekka & Sebastian

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